Flyer
Auf dieser Seite findest Du die Inhalte unseres Flyers. Aufgrund des wenigen Platzes auf einem solchen Flyer, haben wir die Inhalte gekürzt. Der Flyer ist in DIN A7 angelegt und passt somit gut in eine Hosentasche.
Wenn Du für eine Schule, Beratungsstelle, Jugendeinrichtung oder ähnlichem arbeitest, kann Du die Flyer gerne bei uns bestellen. Du findest den Flyer in unserem Shop.
Du kannst diese Infos auch als eine druckfähige DIN A4 Seite herunterladen.
Beste Grüße
Dein Team des Projekts 100% MENSCH
Hallo Du,
schön, dass du auf unserer Website gelandet bist! Hier kannst du dir Infos zum Thema selbstverletzendes Verhalten holen.
Es gibt viele persönliche aber auch gesellschaftliche Umstände, die Menschen belasten. Bei queeren Menschen kommen häufig weitere Belastungen dazu: die Situation in der Herkunftsfamilie, die Angst vor dem Coming-out, vor Mobbing und Ausgrenzung. Gerade vor dem Coming-out durchlaufen viele von uns eine Phase, in der wir uns selbst infrage stellen und Angst vor uns selbst und den Reaktionen der anderen haben.
Auch Diskriminierungserfahrungen wie rassistische und queerfeindliche Äußerungen oder Beleidigungen über unseren Körper machen es uns schwer, die Welt auszuhalten. Viele Menschen fühlen sich alleine und denken, sie wären verantwortlich für ihre Situation, müssten besser mit ihr umgehen oder diese einfach aushalten.
Oft sind es gesellschaftliche Faktoren, die unsere Belastungen auslösen, und nicht wir als Person!
Auslöser
- starke Gefühle, die nicht aushaltbar oder kontrollierbar erscheinen (Überdruck)
- Gefühl der inneren Leere, das zu selbstverletzendem Verhalten führt, um „sich wieder zu spüren“
- Schamgefühle oder auch der sogenannte „Minderheitenstress“ (minority stress), den queere Menschen oft erleben, können den inneren Druck verstärken.
- wenn verschiedene schwere Belastungen zusammenkommen (Überlastung)
- (emotional) belastende Erlebnisse und/oder Erinnerungen
- hohe innere Anspannung, die schnell abgebaut werden muss (Druckregulation)
- Selbstbestrafung
Was ist Selbstverletzung?
Selbstverletzendes Verhalten bezeichnet
- den Drang zu bewusstem und absichtlichem Zufügen von Wunden, Schnitten oder Kratzern – häufig an der Haut der Arme/Beine
- absichtlich herbeigeführte Verletzungen am eigenen Körper mit unterschiedlich scharfen Gegenständen
- absichtliche herbeigeführte stumpfe Verletzungen wie Knochenbrüche sowie Verbrennungen
Darüber hinaus zählen auch starker Konsum von legalen und/oder illegalen Drogen, sexuelles Risiko- verhalten sowie eingeschränktes Essen oder Binge Eating zu den selbstschädigenden Verhaltensweisen.
Lebensbedrohliche Handlungen mit dem Ziel zu sterben, müssen von selbstverletzenden Handlungen unterschieden werden. Manche Menschen verletzen sich selbst und haben zusätzlich und losgelöst davon auch Selbsttötungsgedanken.
Auslöser
- starke Gefühle, die nicht aushaltbar oder kontrollierbar erscheinen (Überdruck)
- Gefühl der inneren Leere, das zu selbstverletzendem Verhalten führt, um „sich wieder zu spüren“
- Schamgefühle oder auch der sogenannte „Minderheitenstress“ (minority stress), den queere Menschen oft erleben, können den inneren Druck verstärken.
- wenn verschiedene schwere Belastungen zusammenkommen (Überlastung)
- (emotional) belastende Erlebnisse und/oder Erinnerungen
- hohe innere Anspannung, die schnell abgebaut werden muss (Druckregulation)
- Selbstbestrafung
Belastung und Bewältigung
Wenn eine Lebenssituation uns belastet, versuchen wir meist, ihr mit aktiven Handlungen zu begegnen.
So unterschiedlich die Belastungen sind, so unterschiedlich können auch die eigenen Bewältigungsstrategien aussehen. Eigene Bedürfnisse und Wahrnehmungen von Belastungen, Stress etc. können dabei sehr unterschiedlich sein.
Aus diesem Grund vertreten viele Organisationen und Psycholog*innen die Haltung, dass selbstverletzendes Verhalten ein Bewältigungsversuch ist.
Grundsätzlich gilt:
Selbstverletzendes Verhalten ist meist eine Bewältigungsstrategie, die kurzfristig für Ausgleich/Erleichterung sorgen soll. Deswegen ist es auch nicht leicht, „einfach“ damit aufzuhören. Langfristig schadet es deinem Körper und deiner Psyche jedoch und es wird immer schwieriger aufzuhören.

Alternativen und Skills
Bei Anspannung und Überlastung kann das Gefühl eines Überdrucks, einer Überforderung oder eines „Freeze“, einer Unfähigkeit zu denken und zu handeln, kommen.
Sogenannte „Skills“ können kurzfristige Entlastung in Form einer Druckregulation bieten und/oder eine Alternative zu selbstschädigendem Verhalten sein.
Hab Geduld mit dir und gib nicht auf, wenn es nicht beim ersten Mal klappt!
Wenn du dich selbst verletzen musst, kannst du mit dem passenden Skill diesen Drang „austricksen“, indem du ihn befriedigst, aber ohne dich dabei wirklich zu verletzen.
Wichtig dabei ist, dass der Skill zu deinem selbstverletzenden Verhalten passt: wenn es darum geht, dass du Schmerz spüren willst, wird ein warmes Bad dir wenig nützen.
Um den Drang abzuschwächen, reichen oft schon ein paar Minuten Beschäftigung mit einem Skill.
Hier ein paar Bespiele für Skills, die dir vorbeugend, aber auch in einer Drucksituation helfen können. Welcher Skill passt zu dir?
- Igelbälle über die Haut rollen/drücken
- Duftöle riechen
- Musik hören/singen
- Hände mit kaltem Wasser waschen
- saure oder scharfe Kaugummis kauen
- Akkupressurringe
- Gummibänder am Handgelenk flitschen lassen
- ins Kopfkissen schlagen
- Kartons zerreißen
- Krafttraining/Sport
- Stellen am Körper mit einem roten Edding markieren (statt sich zu verletzen)
- Eiswürfel zerdrücken
- ein Bad nehmen
- mit vertrauten Menschen sprechen
- mach einen Spaziergang
Hilfe holen zeigt Stärke
Wir alle erleben im Laufe unseres Lebens unterschiedliche Krisen. Hilfe in Anspruch zu nehmen, heißt nicht, dass du schwach bist. Im Gegenteil! Dir Hilfe zu suchen, zeigt deine Stärke, für dich zu sorgen und Verantwortung für dich zu übernehmen!
Deine mentale Gesundheit ist genauso wichtig wie die körperliche Gesundheit. Zur mentalen Gesundheit gehören deine Gedanken, Gefühle, Wünsche und Ziele – und auch, ob du gerade gut oder weniger gut auf Stress reagieren kannst. Leider wird mentale Gesundheit noch immer zu wenig beachtet.
Such dir Unterstützung bei deinen friends und sprich mit ihnen. Auch queere spaces sind wichtige Orte, an denen ihr euch gegenseitig empowern könnt.
Wichtig: Informationen aus dem Internet können
erste Unterstützung bieten, achte hier jedoch darauf,
dass du verlässliche und gute Quellen nutzt.

Wo bekomme ich Hilfe?
Du kannst
- dich an eine (queere) Beratungsstelle wenden
- mit einer Person sprechen, der du vertraust
- zu deiner*m Hausärzt*in gehen
- eine*n Sozialarbeiter*in/ Vertrauenslehrer*in an deiner Schule ansprechen
Queere Menschen sind im Gesundheitswesen häufig Diskriminierungen ausgesetzt. Neben Queerfeindlichkeit spielen oft auch Rassismus und Fettfeindlichkeit eine Rolle. Wenn du auf Diskriminierung stößt oder das Gefühl hast, nicht ernst genommen zu werden, möchten wir dich ermutigen weiterzusuchen.
Du kannst zum Beispiel die Einträge auf queermed.de nutzen oder dich auch telefonisch/per Chat an eine queere Beratungsstelle wenden.
Einige Menschen haben Angst vor dem Thema Selbstverletzung oder davor, etwas Falsches zu sagen, und blocken daher ab. Trotzdem hast du immer das Recht, die bestmögliche Versorgung zu erhalten. Gut, dass du dich um dich kümmerst!
Umgang mit Gefühlen
Gibst du Wut und Frust, aber auch Begeisterung und Freude einen Raum? Sagst du rechtzeitig Bescheid, wenn dir etwas zu viel wird oder erträgst du eine Situation so lange, bis es nicht mehr geht? Sprichst du offen über deine Gefühle? Auch über die unangenehmen Gefühle oder spielst du dann „Alles super“?
Der Umgang mit Gefühlen ist etwas, das wir lernen und üben müssen.
Das braucht Zeit. Hab Geduld mit dir und nutze die Chance, dies gemeinsam mit deinem vertrauten Umfeld zu tun.
Ein Beginn: Setz dich an einen Platz, an dem du ungestört bist. Nimm so gut es geht wahr, was in deinem Körper passiert und wie es sich anfühlt. Kannst du deine Gefühle benennen? Übe immer wieder ein paar Minuten. So kannst du all deine Gefühle besser kennenlernen und üben diese anzunehmen.

Faktencheck
- Wer sich selbst verletzt ist kein schlechter Mensch!
- Wer sich selbst verletzt, kann nicht „einfach so“ damit aufhören!
- Die individuelle emotionale Not lässt sich nicht an der Verletzung ablesen!
- Verletzungen müssen nicht immer (sofort) sichtbar sein!
- Selbstverletzendes Verhalten kommt in der gesamten Bevölkerung vor!
- Selbstverletzendes Verhalten ist kein Trend, keine Mode und ist auch nicht „in“!
- Selbstverletzung ist keine Suche nach Aufmerksamkeit!
- Der Ansatz, Selbstverletzung zu ignorieren, um eine Person nicht zur Wiederholung zu ermutigen, ist fatal!
- Hilfe suchen zeigt Stärke!
- Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl können dir helfen!