Selbstverletzendes Verhalten
Informationen für queere Jugendliche
Belastende Strukturen
1. Alle Menschen sind heterosexuell
2. Alle Menschen sind cisgeschlechtlich
3. Alle Menschen haben geschlechtlich „eindeutige“ Körper
4. Alle Menschen erfüllen klar definierte, „traditionelle“ Geschlechterrollen als Mann oder Frau
5. Beziehungen sind monogam – das heißt nur „treue“ Paarbeziehungen sind zulässig.
6. Alle Menschen haben ein Verlangen nach Sex
Diese Erwartungen ziehen sich durch alle Bereiche unseres täglichen Lebens, ob Bildung, Kleidung oder Medien – alles basiert auf dieser Grundannahme.
Für Menschen, die außerhalb dieser engen Norm leben, gibt es wenig Raum. Einer Person, die nicht in dieses Bild passt, wird vermitteln, dass sie nicht „richtig“ sei. Sie erfährt Ausgrenzung bis zu Gewalt.
Schönheitsideale und ihr Einfluss
Ein weiterer Druckerzeuger sind die hier vorherrschenden Schönheitsideale. Oft wird ein eurozentrisches Bild von Schönheit vermittelt: helle Haut, schlanker Körperbau, glattes Haar, wenig bis keine Körperbehaarung und bestimmte Gesichtszüge gelten als das „Ideal“. Diese Vorstellungen haben ihre (rassistischen) Wurzeln in der Kolonialzeit. Sie sind zudem zutiefst sexistisch und behindertenfeindlich, da sie vorgeben, welche Körper „der Norm“ entsprechen, also gewollt sind, und welche nicht. Solche Vorstellungen „idealer“ Körper werden heute bewusst und unbewusst über Medien, Werbung, Filme und Social Media weitergeführt. So sind sie auch Teil einer neoliberalen Logik, die Körper dazu zwingen will, sich immer weiter zu „optimieren“.
Besonders queere Jugendliche, People of Color oder Menschen, die nicht der heteronormativen gesellschaftlichen Erwartungen von Attraktivität und Kleidungsstil entsprechen, erleben häufig das Gefühl, nicht zu genügen. Vielleicht stellst du deinen Körper oder deine Identität infrage, weil sie nicht dem Bild entsprechen, das als begehrenswert oder „normal“ gilt. Das kann sehr belastend sein, besonders wenn du täglich mit Erwartungen konfrontiert wirst, die weder realistisch sind noch deiner Identität entsprechen.
Nochmal: Weder du, dein Körper noch deine Kleidung sind schuld an der Ablehnung! Es sind die starren Erwartungshaltungen der Gesellschaft, die subtil bis gewaltvoll durchgesetzt werden.
Mikroaggressionen im Alltag
Besonders in der Schule erleben queere Jugendliche häufig Mikroaggressionen. Das sind alltägliche, oft unbewusste Bemerkungen oder Handlungen, die eine abwertende oder diskriminierende Botschaft vermitteln. Obwohl sie meist nicht absichtlich verletzend gemeint sind, können sie belasten und das Gefühl verstärken, nicht dazuzugehören.
Ein Beispiel: „Lesbisch sein, ist nicht schlimm“ mag gut gemeint sein, impliziert aber, dass es überhaupt etwas Schlechtes daran geben könnte. Über Heterosexualität wird so nicht gesprochen, wodurch queere Identitäten unnötig hervorgehoben und als „anders“ markiert werden. Ein weiteres Beispiel ist der Satz: „Du siehst aber gar nicht schwul aus!“. Solche Aussagen suggerieren, dass queere Menschen einem bestimmten Stereotyp entsprechen.
Diese kleinen Bemerkungen klingen vielleicht harmlos, können sich jedoch summieren und großen psychischen Stress verursachen. Sie verstärken soziale Ungleichheiten und lassen queere Jugendliche oft allein mit dem Gefühl, sich anpassen zu müssen oder ihre Identität verstecken zu müssen.
Disclaimer
Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich Informations- und Aufklärungszwecken. Sie sind keine medizinische, psychologische oder therapeutische Beratung und ersetzen nicht die Diagnose oder Behandlung durch ausgebildete Fachpersonen. Unser Ziel ist es, aufzuklären und Hilfsangebote sichtbar zu machen, um Wege aus der Selbstverletzung zu finden. Wenn du Fragen oder Sorgen bezüglich deiner physischen oder psychischen Gesundheit hast, wende dich bitte an eine Ärztin / einen Arzt, Therapeut*in oder eine andere qualifizierte Fachperson. Nur diese können eine fundierte Diagnose stellen und dir geeignete Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen. In akuten Notfällen oder Krisensituationen rufe bitte sofort den Notruf 112 an oder kontaktiere eine Krisenhotline.
